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Erzählsteine

Der Findling

 

Mich gibt es nicht zum Anfassen. Dafür wurde ich entdeckt und gemalt. Meine Heimat ist ein  Waldbach, der über große Felsen und kantige Steine plätschert. Dort liege ich verborgen in einem kleinen Wasserbecken und kristallklares, frisches Wasser fließt immerzu über mich hinweg. Das Wasser erzählt mir ganz viel über das Leben und ich bewahre alles wie ein Geheimnis in mir verborgen.

 

Einmal aber kam ein junger Mann und hat mich vorsichtig aus dem Wasser geholt. Er hat mich behutsam in seine Hand gelegt und mich ganz freundlich angesehen. Mit seinen Augen hat er eine seltsame Bitte an mich gestellt: "Sage mir, weshalb ich Dich gefunden habe?"

 

Nun wusste ich von dem Wasser, dass der junge Mann vor langer Zeit viel an dem Bach gespielt hat. Er hat Staudämme gebaut, Rindenschiffe auf Reisen geschickt und sich an heißen Tagen in ihm erfrischt. An dem Bach ging es ihm immer richtig gut und er war glücklich unter den hohen Bäumen mit ihren silbergrauen Stämmen und kräftigen Wurzeln. Besonders gerne hörte er den Klängen des Wassers zu, wenn dieses über die vielen Steine sprudelte oder das weiche Moos streifte. Dann wurde er ganz wach, hörte das Zwitschern der Vögel, das Summen der Insekten und das Rascheln der Blätter in den Wipfeln der Bäume. Er sah das saftige Grün der Gräser, das Glitzern des Lichtes im Wasser und den blauen Himmel über sich. Er holte tief Luft und der Geruch von Erde, Blüten und Laub wehte durch ihn hindurch. Eine tiefe Ruhe breitete sich in ihm aus und plötzlich gab es nur noch Lebendigkeit, in ihm und um ihn herum.

 

An all das habe ich mich erinnert und ich schickte dem jungen Mann meine Antwort: "Ich habe vom Wasser des Lebens getrunken!"

 

Erz